Mal eben ein Auto kaufen

In Deutschland ist die Ummeldung eines Autos schnell erledigt. In Südafrika sind die Dinge ein wenig anders. Um als „Ausländer“ mobil zu werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Doch der legale und offizielle Weg ist mühsam und zeitaufwendig. Darum gibt es hier Firmen, die sich um die Registrierung von Autos kümmern. Das kostet natürlich „ein paar Steinchen“. Wie das aber auch ohne Dienstleister geht, wird in dieser Beitrag beschrieben.

Schritt für Schritt

In Südafrika wirkt der Ablauf zum Kauf eines Autos auf den ersten Blick „easy!“. Locker und flockig wird der Prozess auf der behördlichen Website beschrieben. Eine Verharmlosung!

Ich beschreibe es aber mal nachfolgend für diejenigen, die es verständlich und auf deutsch haben wollen.

  1. Kauf: Ist das Wunschauto gefunden, beginnt die Eigentümerwechsel zum Verkäufer mit einem Offer-To-Purchase (OTP). Ein Angebot, das in Südafrika rechtsbindend ist. Voraussetzungen für das Dokument ist ein Wohnsitz (Proof Of Address), d.h. man muss nachweisen wo man wohnt, mit einem Mietvertrag oder Kaufvertrag eines Hauses.
  2. Bezahlung und Rechnung: Bei der Bezahlung ist zu beachten, dass man als „Beweis“ für die Bezahlung ein Proof Of Payment vorweisen sollte. Das Dokument bekommt man von seiner südafrikanischen Bank. Wichtig ist für den weiteren Schritt die Rechnung als Nachweis, dass der PKW bezahlt wurde. Ab diesem Zeitpunkt kann man den Wagen bereits besitzen, ist aber kein Eigentümer.
  3. Prüfung der Fahrtüchtigkeit „Roadworthy“: Warum dieser Schritt gemacht wird ist bedingt logisch. Wer ein Auto von jemanden kauft, muss nachweisen, dass der Wagen auch fahrtüchtig ist. Dieser Roadworthy-Test ist 60 Tage gültig und kostet aktuell R600. Der Test muss eingereicht werden in der „Traffic Department“ Behörde. Üblicherweise stellt der Verkäufer das Dokument aus. Laufen die 60 Tage aber ab, muss ein erneuter Test vorgenommen werden.
  4. Beantragen einer „Traffic Registration Number (TRN)“: Nun beginnt der erste Kontakt mit der dunklen Seite der Macht: Dem Traffic Department. Welche Behörde für einen zuständig ist, erfährt man auf der Government Website. Ein solches Dokument braucht man als Ausländer (nicht als Citizen oder Permanent Resident). Mit dieser Nummer kann die Eigentumsüberschreibung erst beginnen. Die Erstellung dieses Formulars kann mehrere Tagen oder Wochen dauern, man weiß es nicht genau. Jede Woche nachfragen ist wichtig und danach tief durchatmen. Mitbringen sollte man für die Bentragung: Reisepass und Kaufvertrag/OTP.
  5. Übertragung des Fahrzeugs: Zusammen mit der TRN kann die Überschreibung beantragt werden. Dafür gibt es ein weiteres Formular, das der Autohändler ausfüllt (so war es in unserem Fall). Für diesen Schritt sind folgende Unterlagen erforderlich: TRN Formular, APPLICATION FOR REGISTRATION AND LICENSING OF MOTOR VEHICLE, Rechnung (Proof of Purchase), Proof of Address. Nach diesem Schritt erhält man die „vehicle licence disc and registration“ Papiere. Das danach ausgestellte Licensing Dokument kostet aktuell R1136,40.
  6. Kennzeichen: In unserem Fall kümmerte sich der Händler um den Erwerb des Nummernschilds.

Wie war es bei uns?

Langwierig! Als das Geld auf dem Konto des Autohändlers ankam, kümmerte sich dieser um die Prüfung des Roadworthy (Schritt 3). Da wir eine Traffic Registration Number (TRN) als Ausländer benötigen, war auch der erste Gang für mich zum Registration Department notwendig. Das Ausfüllen und die Abgabe des Formulars waren schnell erledigt.

Nur bis die TRN Nummer erstellt war und ich diese abholen durfte, vergingen mehr als 60 Tage. Der aufmerksame Leser wird festgestellt haben: „Hey, 60 Tage habe ich doch schon oben gelesen.“ Genau! Der Roadworthy-Test vom Händler war in unserem Fall abgelaufen, nachdem ich die TRN Nummer abgeholt hatte. Bis ich das erfahren habe, war ich aber bereits mehr als 3x im „Traffic Department“.

Für die Übertragung des Autos war ich in der Behörde an einem Tag satte 3 mal (!!!). Ein Berufstätiger bekommt das ohne einen Urlaubstag nicht hin. Das erste Mal hat dem Beamten das Offer-To-Purchase nicht ausgereicht, dann fehlte ihm die Rechnung, und zuletzt fehlte ihm ein Roadworthy-Test. An dieser Stelle platzte mir der Kragen und ich musste mit seinem Vorgesetzten reden. Ich war kurz davor 200 Rand auf den Tisch zu „knallen“ und zu sagen: Findet eine Lösung!

Als ich zum Roadworthy Test Zentrum nach Tokai fuhr und der fast neue Ford Ranger als „fahrtüchtig“ durch einen 28-jährigen Testfahrer eingestuft wurde, durfte ich noch einmal zur Behörde. Diesmal bediente mich eine Beamtin, die nicht mal nach einem Roadworthy fragte. Nun gut, die Tests werden in Kapstadt digital an die Behörden übermittelt.

Mit dem Licensing Document durfte ich abschließend zum Händler, um das Nummernschild abzuholen. Warum ich für diese Ochenskur vom Händler nicht noch Sekt spendiert bekommen habe nach 4 Monaten, ist mir bis heute ein Rätsel.

Ich will mich nicht beschweren. Der Weg ist das Ziel und am Ende gehört mir nun doch der Wagen 😉

Die einfache Weg

Diesen gesamten formalen Teil kann man sich stark vereinfachen, indem man einen Dienstleister beauftragt. Ein Beispiel wäre Vehicle License SA, Speedybobs oder FMS. Diese Dienstleister kümmern sich dann um alle Formalien, und für Dinge wie dem Proof of Residency werden dann „irgendwie“ Lösungen gefunden. Wie gut diese Dienstleister sind, kann ich aber aus eigenen Erfahrungen leider nicht beurteilen.

2 Antworten auf „Mal eben ein Auto kaufen“

  1. Junge junge, Passierschein A37 fehlt noch.. Was fuer ein Dschungel.
    Ich hab ja gelacht, als Du versucht warst, umgerechnet 10 Tacken auf den Tisch zu knallen und zu sagen „Finde ein Loesung“ 😀

    Ein lukratives Feld fuer Dienstleister, und gar nicht mal so viel besser als im digitalen Niemandsland Deutschland!

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