Schnelldurchgang: Medizinische Versorgung in Südafrika

Am vergangenen Sonntag klagte unsere Kleinste über Übelkeit und musste erbrechen. Bekanntermaßen schleppen die kleinen Racker ja immer irgendwas aus der Kita an. Kein Grund zur Panik. Nachdem es nach 2 Tagen aber nicht besser wurde und sie über Bauch- und Kopfschmerzen klagte, machten wir uns doch Gedanken. Eine ungewollte Gelegenheit, die medizinische Versorgung in Südafrika kennenzulernen.

Noordhoek: Longbeach Medical Centre

Am Dienstag gesellten sich noch Bauchschmerzen im rechten Bauchbereich dazu. Zusätzlich schrie Pauline vor Schmerzen, was einem Alarmzeichen gleich kam. Unsere Vermutung war, dass es eine Blinddarmentzündung (Appendix) sein könnte. Also Kinder und Hund eingepackt und ab zum Longbeach Medical Centre in Noordhoek gerast.

Mit Termin und Reisepass schlugen wir um 16 Uhr dort auf und durften einen Anmeldebogen ausfüllen. Danach landeten wir bei der Allgemeinmedizinerin Carli Andringa. Sie untersuchte Pauline, stellte aber keine Verkrampfungen oder Verhärtungen im Bauchbereich fest, was uns beruhigte. Sie empfahl uns eine Liste von Medikamenten: Schmerzmittel, Antibiotika und ein Mittel gegen Erbrechen. Sollte es nicht besser werden, empfahl sie uns für ein Ultraschall in das Constantiaberg Hospital zu fahren. Nach diesem Gespräch wurde meine Kreditkarte um R550 erleichtert und Frau Dr. Andringa schickte uns wieder nach Hause. Nach dem Arzt begann Durchfall bei ihr, wir hofften, dass dies die Schmerzen waren und es sich nun etwas entspannt.

Die 3. Nacht in Unruhe und Gejammer verbrachten wir mit Pauline. Das Schlafdefizit wurde größer. Am Folgetag beruhigte sich die Lage etwas. Bis zum Nachmittag. Danach wachte Pauline mit heftigen Nackenschmerzen auf.

Abermals schrie sie vor Schmerzen und konnte den Nacken nicht mehr bewegen. Die Kette der Symptome verlängerte sich: Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Schläfrigkeit/Schlappheit und nun noch Nackensteifheit. Ist das Meningitis? Die Nerven lagen blank.

Per Telefon arrangierten wir unsere Vermieterin Martina als Hundesitterin und Babysitterin für Brezel und Leonie.

Medizinische Versorgung im Mediclinic Constantiaberg

Unter Geschrei und Gejammer düsten wir über den Berg nach Mediclinic Constantiaberg zur Notfallklinik. Das gleiche Prozedere wie am Vortag. Persönliche Daten hinterlassen und warten bis zum erlösenden Aufruf. Wieder erklärten wir was passiert ist, diesmal aber einer jungen Arzthelferin, die sich rührend um Pauline kümmerte. Blutabnahme sowie Messen von Gewicht und Temperatur.

Nach dieser Voruntersuchung mussten wir erneut warten. Warten auf Dr. Van der Merwe. Ein junger Arzt, der sich abermals unsere Geschichte anhörte, Pauline untersuchte und eine Röntgenaufnahme vorschlug. Während der Wartezeit durfte Pauline einen süß bitteren Paracetamol-Saft schlabbern. Eine Tablette sollte es gegen Erbrechen geben, was wir aber ablehnten. Ein Unsinn, bei einmal Erbrechen am Sonntag. 

Nachdem das Röntgenbild eintraf folgte die Diagnose durch Herr Dr. Merwe. Seiner Meinung nach sah alles nicht nach einer Meningitis, sondern eher nach einer muskolösen Steifheit gepaart mit einem Infekt. Trotzdem auch hier die Empfehlung zur Einnahme eines Antibiotika, Schmerzmittel und (Achtung!), diesmal ein Anti-Allergikum. Wir wissen nicht, was den Arzt da geritten hat.

Im Vergleich zum Vortag kam ich diesmal teurer davon. In Summe bezahlten wir R3500 für die Voruntersuchung und Hauptuntersuchung durch den Arzt. Die Röntgenaufnahme kostete nochmal R910.81.

Fazit: Ein gesunder Patient ist ein verlorener Kunde

Nachdem wir bei zwei Ärzten waren, insgesamt 6 Medikamente hätten kaufen sollen, nun um R4960,81 leichter sind, wilde Empfehlungen zu den Medikamenteneinnahme bekamen, sind wir definitiv schlauer zur medizinischen Versorgung in Südafrika.

  • Offenbar wird in Südafrika noch schneller zum Antibiotika gegriffen. In Deutschland haben wir es erlebt, dass zumindest ein Blut- oder Stuhlganguntersuchung vorher gemacht wird, bevor ein Antibiotika verschrieben wird.
  • Wer keine Empfehlung für einen guten „erfahrenen“ Arzt hat, bekommt den jungen und unerfahrenen Doktor serviert. An dieser Stelle ist sicherlich kein Unterschied zu Deutschland. Nur sollte man einmal mehr skeptisch werden bei einem jungen Arzt. Eigentlich logisch!
  • Die Mediclinic Constantiaberg ist äußert professionell, modern und sauber. Allerdings fehlt es dort an erfahrenen Ärzten in der Notaufnahme. Der Herr Dr. Merwe war zwar sehr freundlich, aber wirkte doch verunsichert. Weniger professionell, aber dafür kompetenter Ärzte soll es in Staatskrankenhäusern geben.

Nachdem wir nun alle Medikationen ignoriert haben (bis auf das Paracetamol im Krankenhaus), geht es Pauline heute trotzdem besser. Aus schulmedizinischer Sicht wahrscheinlich ein Wunder. 😉 Es bleibt also dabei, mehr noch als in Deutschland, nur mit kranken Patienten kann man Geld verdienen. Es ist ein Geschäftsmodell, das mit der Angst funktioniert.

Eine Antwort auf „Schnelldurchgang: Medizinische Versorgung in Südafrika“

  1. Nä! Kann den Nacken nicht bewegen? Klarer Fall von muskulärer Steifheit und schön shotgun-approach Medikamente verschreiben, irgendwann eines wird schon was machen..
    Albtraum, aber bin sehr froh, dass es ihr wieder besser geht!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner